Was sind heilsame (kusala) und unheilsame (akusala) Taten?


Kusala und akusala ist die Grundlage der Buddhalehre. Gautama Buddha machte vor über 2500 Jahren klare Aussagen zu moralischen Fragen, denn damals bestand darüber Konfusion und Unklarheit. Er ordnete alles rational in die Kategorien gut und böse, bzw. heilsam (kusala) und unheilsam (akusala) ein. Das wird an folgendem Vers deutlich:

Die böse Tat, die selbst getan,
selbst erzeugt, die selbst gewirkt,
zermalmt den einsichtslosen Mann,
wie Diamant den Edelstein. (Dhammapada 161)

Außerdem lehrte er eine universelle Moral: die fünf Verhaltensregeln (pañcasîla), die darin bestehen, kein Lebewesen zu töten; nicht zu stehlen; nicht zu lügen; keine unrechten sexuellen Beziehungen einzugehen; keine berauschenden Mittel zu sich zu nehmen, da sonst der Wille nicht mehr zu kontrollieren ist. Diese Ethik wäre universell, also überall in der Welt anzutreffen. Gäbe es diese universelle Ethik nicht, könnten die Menschen nicht in Frieden miteinander leben.

Die Pañcasîla fordern zunächst, dass der Mensch sich unheilsamer Taten enthält, und dann heilsame Taten ausübt. Es sind passiv fünf Taten zu unterlassen, um anschließend aktiv fünf Taten zu vervollkommnen. Anstatt zu töten, hilft man Lebewesen bei Krankheiten, Verletzungen und in Gefahr. Anstatt zu stehlen, ist man großzügig. Anstatt unkeusche Handlungen zu vollbringen, übt man sich in Keuschheit. Außerdem macht man seinen Freunden in Form von Geschenken, Reisen usw. eine Freude. Anstatt zu lügen, spricht man heilsame und friedliche Worte. Mit klarem Verstand enthält man sich jeder Art von Rauschmitteln, da sie gefährlich sind und einen vom rechten Weg abbringen.

Diese universelle Ethik wird für den Einzelnen zur individuellen Ethik. Die Einhaltung dieser Ethik verstärkt die wichtigen Tugenden: die Schamhaftigkeit und die Gewissensbisse oder auch Gewissensscheu. Die Einhaltung dieser Tugenden verhindert die Ausübung schlechter (akusala) Taten, da man sich ihrer schämt und sich bewusst ist, dass man deren Wirkung - wie die Räder eines von Pferden gezogenen Wagens - stets mit sich führt.

Ohne die Einhaltung dieser Ethik ist es nicht möglich, rechte Konzentration zu entwickeln, denn der Geist ist auf Grund der unheilsamen (akusala) Taten stets unruhig. Hält man jedoch die Pañcasîla ein, so führt man ein reines Leben. Der Geist ist ausgeglichen, man kann sich im täglichen Leben konzentrieren und bei der Meditation Samâdhi erreichen, sagt doch der Buddha: "Die Einspitzigkeit des Geistes (citt'ekaggata) gilt als die Sammlung" (Majjhima-Nikâya 44). Nur mit rechter Konzentration ist es möglich, zu erkennen, was heilsam und unheilsam ist. Deshalb legt die Buddhalehre großen Wert darauf, die Pañcasîla nicht als Ge- oder Verbote, sondern als Übungsaufgabe zu betrachten.

Das Böse ist gar leicht vollbracht
Und das, was einem Unheil bringt,
Doch was da heilsam ist und gut,
Das schwerlich ist gar schwer zu tun. (Dhammapada 163)

Da wir keine vollkommenen Menschen sind, machen wir alle immer wieder Fehler. Doch wir sollten aus unseren Fehlern lernen. So haben wir die Möglichkeit, Situationen zu meiden, in denen wir zu unheilsamen Handlungen verleitet werden, die unseren Geist beunruhigen. Diese Selbsterfahrung - die direkten negativen Auswirkungen unheil-samer Taten auf den eigenen Geist - führt zur rechten Anschauung (samma ditthi), die Grundlage der buddhistischen Ethik, der Konzentration und der Selbsterkenntnis.

Mit zunehmender Einsicht machen wir immer stärker die direkte Erfahrung, dass wir unsere Gegenwart und Zukunft selbst schaffen. Ist unser Geist klar, ruhig und ausgeglichen, so gestalten wir nicht nur die Gegenwart, sondern auch unsere Zukunft positiv. Ist unser Geist unruhig, so hat das auch auf unsere Zukunft negative Auswirkungen. Der Buddha hat immer wieder betont, dass der Mensch für sein Schicksal selbst verantwortlich ist.

Eigner der Taten sind die Wesen, Erben der Taten, die Taten sind der Schoß, der sie gebiert, sind ihre Freund, ihre Zuflucht. Was immer für Taten sie tun, gute oder böse, deren Erben werden sie sein (Majjhima-Nikâya 135).

Rechte Erkenntnis - eine auf der eigenen Erfahrung beruhende Erkenntnis - ist also nur möglich, wenn die Pañcasila eingehalten werden. Dabei handelt es sich nicht um eine speziell buddhistische Ethik, sondern um universelle Werte.

Hierdurch ist es möglich, die Vier Edlen Wahrheiten (ariya sacca) zu erkennen. Als erstes erkennt der Mensch die Konflikte (dukkha), mit denen er immer wieder kon-frontiert ist. Als Ursache dieser Konflikte sieht er seine eigenen unheilsamen (akusala) Handlungen. Diese Konflikte kann er beheben, indem er heilsame (kusala) Handlungen begeht. Und zu guter Letzt bedarf es intensiver Geistesübung, um dem Kreislauf des Leidens (dukkha) zu entgehen. Der Buddha hat deshalb den Edlen Achtfachen Pfad (atthangika-magga) verkündet, der sich aus der universellen Ethik (sîla), Konzentration (samâdhi) und Weisheit (paññâ) zusammensetzt.

Von besonderer Bedeutung bei der buddhistischen Ethik ist die Selbstverantwortung des Menschen für seine Zukunft. Niemand kann ihm die Folgen seiner heilsamen (kusala) oder unheilsamen (akusala) Taten abnehmen. Um die Folgen der eigenen Taten zu erkennen, hat der Buddha geraten, damit zu beginnen, die oben beschriebenen Sîla zu beachten.

Mögen alle Menschen Einsicht in die Selbstschöpfung ihrer Zukunft bekommen, mögen sie dadurch wirklich glücklich werden und vollkommene Erleuchtung erlangen.





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