Pañña: Weisheit im Buddhismus


Der Pâli-Terminus paññâ (im Sanskrit: prajñâ) hat einen zentralen Stellenwert im Dhamma der buddhistischen Wahrheitslehre. Paññâ heißt Weisheit, die spezifisch eine unmittelbar erfahrene, intuitive Weisheit bezeichnet. Sie basiert auf der Erkenntnis der drei universellen Tatsachen von annica (Vergänglichkeit), dukkha (Unvollkommenheit) und anattâ (Substanzlosigkeit).

Drei Arten der Weisheit gibt es: Durch Lesen und Hören übernommene Weisheit (suta-mayâ-paññâ), durch eigenes reflektierendes Denken erworbene Weisheit (cintâ-mayâ-paññâ) und auf Geistesläuterung beruhende Weisheit (bhâvanâ-mayâ-paññâ).

Erst die zuletzt genannte ist die wahre und absolute Weisheit. Wie man diese erwirbt, d.h. wie man sie sich durch eigene Übungen zu eigen macht, konnte uns Buddha schon vor über 2500 Jahren durch drei Stadien auf dem Weg zur Erlösung übermitteln. Es handelt sich um Tugendhaftigkeit (sîla), die Kontrolle über das eigene Bewusstsein (samâdhi) und die Läuterung des Geistes (paññâ). Buddha erklärte im Achtfachen Pfad (atthangika-magga), wie es möglich ist, die eigene Rede und die eigenen Taten von gierigen, hasserfüllten und unheilsamen Gedanken zu befreien, sowie seinen Lebensunterhalt in rechter Weise zu erwerben. Es bedarf der rechten Anstrengung, der rechten Achtsamkeit und der rechten Sammlung. Erst dann kann rechte Erkenntnis und rechte Gesinnung entstehen, d.h. das Wissen (paññâ) um das Unheilsame (akusala) oder Heilsame (kusala) für einen selbst. Sammâ-ditthi, die Erkenntnis der Wahrheit (sacca), hat zur Folge, dass die auf eigener Erfahrung beruhende Sittlichkeit erkannt und praktiziert wird. Es entstehen keine gierigen, hasserfüllten Gedanken mehr.

Wie kann ein Mensch in Europa dies in seinem täglichen Leben verwirklichen und weise leben?

Diese vom Erwachten, vom Buddha, übermittelten theoretischen Anweisungen ermöglichen es, das eigene Wissen zu erweitern und die Erfahrung zu machen, dass jeder Mensch die Folgen seiner heilsamen (kusala) und unheilsamen (akusala) Taten selbst trägt. Diese Einsicht stärkt das eigene Selbstvertrauen, den Sinn des Lebens erkannt zu haben. Das gewachsene Selbstbewusstsein fördert die Achtsamkeit, so dass jeder Augenblick des Lebens bewusster in der Gegenwart gelebt wird. Der Geist flüchtet nicht mehr in die Vergangenheit oder Zukunft, sondern bleibt immer länger im Hier und Jetzt. Durch die so entwickelte Verantwortung für das eigene Leben erfahren wir, dass wir selbst der Schöpfer unserer Zukunft sind.

Dieses Selbstwissen, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung bilden die Grundlage für das Entstehen von Selbsterkenntnis (Selbstkultivierung oder Selbstschauung) und Selbstheilung (Selbstläuterung). Damit ist ein wirklich glückliches Leben garantiert. Aber es ist nicht leicht, allein gegen den reißenden Strom der Versuchungen durch die Sinne zu schwimmen. Daher wird empfohlen, mit guten gleichgesinnten Freunden darüber zu sprechen, wie die Probleme zu lösen sind, die einem im täglichen Leben immer wieder begegnen und einen daran hindern, den Pfad der Weisheit zu gehen.

Diese guten Freunde können Mönche und Nonnen (bhikkhu, bhikkhunî) sein oder Menschen, die in Askese leben, denn sie führen ein beispielhaftes Leben, das auf hohes sittliches Verhalten (adhi-sîla), hohe Geistesschulung (adhi-citta) und hohe Wissenschulung (adhi-paññâ) ausgerichtet ist. Sie widmen ihr ganzes Leben der Bewahrung dieses Hohen Wissens.

Mögen alle suchenden Menschen zu diesen beispielhaften Personen kommen, damit sie Weisheit (paññâ) erwerben und so wirklich glücklich leben können.




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